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Was Unternehmen tun können

Einleitung

Was Unternehmen tun können

Lebensläufe verlaufen nicht immer geradlinig. Das können sich Unternehmen zu Nutze machen – und in der Quereinsteigerin oder dem Studienabbrecher die passende Fachkraft finden, die Teilzeitkraft zur Vollzeitkraft ermuntern, ältere Mitarbeitende länger in der Firma halten, für die Fachkraft mit Behinderung die Schwellen niedrig machen. Und darüber hinaus mit attraktiven Angeboten für mehr Familienfreundlichkeit, Gesundheit am Arbeitsplatz und flexible Arbeitszeitmodelle Fachkräfte finden und binden. Genau diese Unternehmen haben auf dem Stellenmarkt die größte Strahlkraft für potenzielle Fachkräfte.

 

Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz:

Pressekonferenz zum Fachkräftegipfel September 2022

Wir müssen gemeinsam mit der Wirtschaft, den Gewerkschaften und der Politik daran arbeiten, dass wir alle Fachkräftepotenziale nutzen und fördern – die inländischen wie die ausländischen. Wir müssen Aus- und Weiterbildung attraktiver machen und wir müssen uns deutlich stärker für Einwanderung öffnen und gemeinsam dafür werben, dass Deutschland ein weltoffenes Land ist mit interessanten und hochwertigen Arbeitsplätzen.

Sechs Ansätze für das Gewinnen von Fachkräften

Ob Quereinstieg, Weiterbildung oder Wiedereinstieg: Es gibt viele Hebel, wenn Unternehmen Fachkräfte finden und binden möchten. Hier sind mögliche Ansatzpunkte und erste Ideen aufgelistet – und einige nützliche Links.

Person mit Querschnitt als Symbolicon für Qualifikation von Quereinsteigern

1. Quereinsteiger qualifizieren

Sie fallen bei der Personalauswahl oft durchs Raster, weil sich ihre Ausbildung und Berufserfahrung auf den ersten Blick nicht mit dem deckt, was Unternehmen suchen. Dabei bringen viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger genau das mit, was in der agilen Arbeitswelt gebraucht wird: Lernbereitschaft, Flexibilität und den Mut zur Veränderung. Unternehmen, die selbst mutig an die Personalauswahl gehen und vielfältige Teams aufbauen, verkleinern die Fachkräftelücke und fördern dazu noch ihre Innovationsfähigkeit. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) erklärt, wie der Quereinstieg gelingen kann.

Personen unter Lupe als Symbolicon für Auszubildende finden

2. Azubis über neue Wege gewinnen

Viele Jugendliche sind für Unternehmen schwer erreichbar, obwohl sie für eine Ausbildung gewonnen werden könnten. Das sind junge Menschen, die nicht mehr zur Schule gehen, aber ihren Weg ins Berufsleben noch nicht gefunden haben. Manche haben einen Abschluss, andere nicht. Wer sich die Mühe macht, diese Jugendlichen dort anzusprechen, wo sie sind, und zum Beispiel in Praktika nach ihren Fähigkeiten abseits formaler Schulabschlüsse sucht, gibt den Fachkräften von morgen die Chance, auf die sie gewartet haben. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) hat Hinweise zusammengestellt, wie Firmen Jugendliche außerhalb der Schule erreichen. Auch Fördermöglichkeiten sind dort aufgeführt.

Ein Viertel der Jugendlichen nutzt soziale Medien wie Instagram oder Youtube zur Berufsorientierung. Warum sie nicht direkt dort für eine Ausbildung gewinnen? Das KOFA hat einen Leitfaden für die Ansprache über soziale Medien entwickelt.

Die Beraterinnen und Berater im Projekt „Passgenaue Besetzung“ helfen kleinen und mittleren Unternehmen bei der Suche nach Auszubildenden.

Ab dem Jahr 2024 unterstützt das BMWK mit dem Förderprogramm „Ausbildungscluster 4.0 in den Braunkohleregionen“ außerdem branchenspezifische Zusammenschlüsse von Unternehmen und weiteren Akteuren im Bereich der beruflichen Bildung in den deutschen Braunkohleregionen Lausitz, Mitteldeutschland und Rheinland. Ziel der Ausbildungscluster ist es, gemeinsam Ausbildungsangebote zu modernisieren und zu bewerben.

Und in der „Allianz für Aus- und Weiterbildung" unter Federführung des BMWK setzen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften dafür ein, die Attraktivität und die Qualität der Ausbildung zu stärken, Matchingprobleme zu lösen, vor allem junge Menschen für die duale Ausbildung zu gewinnen und den Übergang von der Schule in die Ausbildung zu verbessern.

Aufgeschlagenes Buch als Symbolicon für Weiterbildung

3. Eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterbilden

Wenn qualifizierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt knapp werden, lohnt sich ganz besonders die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schon im Unternehmen arbeiten. Firmen sollten gezielt schauen, welche Angestellten für eine Weiterbildung infrage kommen und gemeinsam mit ihnen die passenden Qualifikationsmaßnahmen bestimmen. Know-how rund um die Digitalisierung steht dabei meist ganz oben auf der Wunschliste.

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung nennt die wichtigsten Fragen, die sich Unternehmen stellen sollten, wenn sie die Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern planen. Unterstützung gibt es auch von der Bundesagentur für Arbeit. Sie berät Unternehmen, die ihre Beschäftigten gezielt qualifizieren wollen und hilft auch bei der Beantragung von Förderleistungen, beispielsweise für die Erstattung der Lehrgangskosten oder Zuschüsse zum Arbeitsentgelt.

Menschen und Balken als Symbolicon für Demografie

4. Ältere Fachkräfte im Job halten

Mehr Erwerbstätige gehen in Rente, als junge Jahrgänge nachrücken. Unternehmen, die ihre erfahrenen Fachkräfte auch über das Renteneintrittsalter hinaus halten oder gezielt Menschen über 60 Jahren einstellen, verschaffen sich wertvolle Zeit. Dabei helfen Teilzeitmodelle, körperschonende Aufgaben und eine Unternehmenskultur, in der sich Mitarbeitende aller Generationen wohlfühlen und Ältere ihr Wissen gern an Jüngere weitergeben.

Personalleiterin Sabrina Räther erzählt, wie das Bauunternehmen apoprojekt GmbH ältere Fachkräfte im Job hält.

Zwei Pfeile nach links als Symbolicon für Rückkehr in Arbeitsmarkt

5. Menschen den Weg zurück erleichtern

Ob für die Pflege von Angehörigen, die Erziehung von Kindern oder aus anderen Gründen – viele qualifizierte Menschen, die meisten von ihnen Frauen, steigen zeitweise aus dem Erwerbsleben aus. Wenn das Angebot stimmt, das heißt, wenn Privatleben und Beruf gut vereinbar sind, können Unternehmen so manche Fachkraft aus dieser „stillen Reserve“ zurückgewinnen. Dabei helfen Programme zur Wiedereingliederung ebenso wie familienfreundliche Arbeitszeiten, flexible Homeoffice-Regelungen und Job-Sharing, also die Möglichkeit, eine Stelle mit zwei Personen zu besetzen. Eine solche Flexibilisierung der Arbeitszeit wissen im Übrigen nicht nur Eltern oder pflegende Angehörige zu schätzen.

Die Handlungsempfehlung „Flexible Arbeitszeiten“: Attraktivität von Unternehmen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) stellt Arbeitszeitmodelle mit ihren Vor- und Nachteilen vor.

Informationen zu Homeoffice & Co gibt es hier: Hybrides Arbeiten erfolgreich im Betrieb meistern.

Personen auf halber Weltkugel als Symbolicon für Fachkraft aus dem Ausland

6. Fachkräfte aus dem Ausland einstellen

Um die Fachkräftelücke zu schließen, ist die deutsche Wirtschaft auch auf die Einwanderung qualifizierter Menschen aus dem Ausland angewiesen. Auf dem Webportal „Make it in Germany“ informiert die Bundesregierung Unternehmen und interessierte Fachkräfte darüber, wie sie den Weg nach Deutschland erfolgreich gestalten können. Das Internetportal bündelt alle wichtigen Informationen zur Einwanderung und erklärt, unter welchen Voraussetzungen Interessierte hier eine Stelle annehmen können. Und das BQ-Portal, das Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen des BMWK, bietet Informationen, um bewerten zu können, inwieweit ein ausländischer Berufsabschluss einem deutschen Referenzberuf entspricht.

Viele Firmen haben längst auch das Potenzial, das Menschen mit Fluchthintergrund für die Fachkräftesicherung bieten, erkannt. 3.500 Unternehmen sind inzwischen Mitglied im Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. Die „Willkommenslotsen“ unterstützen Unternehmen bei der Besetzung von offenen Ausbildungs- und Arbeitsstellen mit Geflüchteten. Sie helfen kleinen und großen Unternehmen bei allen Fragen rund um die Integration von Geflüchteten in Ausbildung, Praktikum oder Beschäftigung. Nach Willkommenslotsen vor Ort suchen.

Auch deutsche Firmen im Ausland brauchen Fachkräfte. Das Programm „Skills Experts“ des BMWK unterstützt die Auslandshandelskammern dabei, im Ausland bedarfsgerecht Strukturen für Berufsbildung nach dem Vorbild der dualen Ausbildung aufzubauen. Dadurch können deutsche Unternehmen vor Ort und ihre lokalen Partner Fachkräfte selbst ausbilden.

Arbeiter bedient eine Maschine, symbolisiert das Thema Fachkräfte

© iStock.com/industryview

Arbeitgebermarke stärken und richtig kommunizieren

Wer nach Fachkräften sucht, sollte wissen, was er ihnen zu bieten hat. Deshalb ist es für Unternehmen wichtig, eine eigene Arbeitgebermarke zu entwickeln. Die Leitfragen dabei sind: Was macht unser Unternehmen aus? Welche Werte leben wir? Warum arbeiten unsere Mitarbeitenden gern bei uns und warum sollte sich eine Bewerberin oder ein Bewerber für uns entscheiden?

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung gibt auf seiner Website hilfreiche Tipps dazu, wie Unternehmen eine Arbeitgebermarke entwickeln und sie erfolgreich nach innen und außen kommunizieren.

Bühne Fachkräfteland – Unternehmen