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Artikel - Fachkräftesicherung

Fachkräfte für Deutschland

Einleitung

Fachkräfte sichern Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung, Wohlstand und Lebensqualität. Angesichts der demografischen Entwicklung ist die Sicherung des Fachkräftebedarfs eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte für alle Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Zwar gibt es in Deutschland derzeit keinen flächendeckenden Fachkräftemangel, allerdings können schon heute in bestimmten Regionen und Branchen offene Stellen nicht mit geeigneten Fachkräften besetzt werden. Dies betrifft vor allem die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) und den Gesundheitsbereich. Besonders in Süddeutschland und den neuen Bundesländern spitzt sich die Lage zu. Viele Unternehmen sind bereits akut von dem Mangel an Fachkräften betroffen: Mehr als 50 Prozent der Unternehmen sehen darin die größte Gefahr für ihre Geschäftsentwicklung. Der Fachkräftemangel als Entwicklungshemmnis ist aus Sicht der Unternehmen merklich angestiegen – 2010 waren es noch 16 Prozent, die den Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko einstuften. Heute stellt dieser Mangel das größte Hemmnis dar, wie unter anderem aus der Konjunkturumfrage Herbst 2019 des Deutschen Industrie- und Handelskammertags hervorgeht.

Der demografische Wandel schlägt zu

Ein großer Faktor, der insbesondere in der Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf den herrschenden Fachkräftemangel haben wird, ist die alternde Gesellschaft in Deutschland. Die Alterung verstärkt als Teil des demografischen Wandels die Engpässe im Fachkräftebereich. Laut aktuellen Vorausberechnungen wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, also Personen zwischen 20 und unter 65 Jahren, bereits im Jahr 2030 um 3,9 Millionen auf einen Bestand von 45,9 Millionen Menschen sinken. Im Jahr 2060 sind dann schon 10,2 Millionen weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter.

Die Fachkraft – ein elementarer Wirtschaftsfaktor

Auch die Projektionen der Bundesregierung zeigen, dass das erfreulich hohe Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren vor allem durch die Binnenwanderung in der Europäischen Union gestützt wurde. Diese aktuell projizierte Einwanderung wird aber nicht ausreichen, um den Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials aufgrund des demographischen Wandels zu kompensieren. Zahlreiche Studien belegen, dass schon heute die Wirtschaftsleistung ohne Fachkräftemangel noch höher wäre.

Potenziale heben

Es ist demnach entscheidend, aktiv gegenzusteuern, um mit einer starken Fachkräftebasis auch die zukünftigen Anforderungen stemmen zu können. Daher fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, das kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützt, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu qualifizieren.

Die Bundesregierung setzt an verschiedenen Punkten an, um diese Herausforderung anzugehen und hat im November 2018 ihre Strategie zur Sicherung von Fachkräften vorgelegt. Zum einen will die Bundesregierung die Erwerbsbeteiligung steigern und Frauen sowie ältere Personen noch stärker in das Erwerbsleben einbinden. Zum anderen will sie die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland fördern und auch das Potenzial der Geflüchteten nutzen, in dem diese gezielt in den Arbeitsmarkt integriert werden. Zudem unterstützt die Bundesregierung Unternehmen dabei, die Vorteile einer vielfältigen Arbeitnehmerschaft, die aus Menschen unterschiedlichen Geschlechts und Alters sowie verschiedener Herkunft besteht und auch Menschen mit Behinderung einschließt, zu nutzen und von diesen zu profitieren.

Vier Zahlen zum demografischen Wandel und zu Fachkräfteengpässen

30-45
Symbolicon für Wachstumskurve

Prozent Anstieg des Anteils
der Ü67-Jährigen an allen Erwerbstätigen zwischen 20-67 bis 2034.

1/3
Symbolicon für Wachstumskurve

weniger Erwerbspersonen bis 2060
(oder bis zu 16 Mio. Personen), wenn Deutschland keine Zuwanderung zulassen würde.

352
Symbolicon für Arbeiter

von 801 Berufsgattungen
sind aktuell mit Fachkräfteengpässen konfrontiert

55
Symbolicon für Bürogebäude in Deutschland

Prozent der Unternehmen
sehen Fachkräftemangel bereits heute als Risiko

Analyse und Trends

Wo der Schuh drückt

Die Fachkräfte-Engpässe haben sich verstärkt und ausgeweitet, in einigen Berufen haben sie sich verfestigt und betreffen inzwischen ein Großteil des Bundesgebiets.

Besonders betroffen sind zum Beispiel Berufe aus dem Handwerk, der Produktion und Fertigung sowie im Bereich Bau und Gebäudetechnik und Lehre und Erziehung. Darüber hinaus ist der Gesundheitssektor – insbesondere die Alten- und Krankenpflege – vom Fachkräftemangel betroffen. Gerade der Bedarf an Altenpflegern wird mit zunehmender Alterung der Gesellschaft weiter steigen. Hinsichtlich der Qualifikation betrifft der Mangel Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung ebenso wie Spezialisten mit Meister oder Bachelorabschluss und Experten.

Wie das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) in einer interaktiven Karte zeigt, ist der Fachkräftelücke in einzelnen Berufen und Regionen stark ausgeprägt. Regionale Unterschiede beim Fachkräftemangel,werden auch aus den KOFA-Bundesländersteckbriefe ersichtlich.

Publikationen

Potenziale heben

Fachkräftestrategie der Bundesregierung

Die Sicherung einer starken Fachkräftebasis ist entscheidend, um auch die zukünftigen Anforderungen stemmen zu können. Daher fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, das kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützt, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu qualifizieren.Die Bundesregierung setzt an verschiedenen Punkten an, um diese Herausforderung anzugehen und hat im Herbst 2022 eine neue Fachkräftestrategie verabschiedet. Die Fachkräftestrategie ist branchenübergreifend und bildet den strategischen Rahmen für die Maßnahmen der Bundesregierung gegen den zunehmenden Fachkräftemangel.Zum einen will die Bundesregierung mit Unterstützungsangeboten, Erleichterungen und verbesserten Anreize die Potenziale zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und Einbindung von Frauen sowie ältere Personen noch besser heben. Da die inländischen Potenziale absehbar aber nicht ausreichen, will die Bundesregierung zum anderen die Einwanderung von Fachkräften aus dem Ausland steigernund das Potenzial der Geflüchteten besser nutzen, in dem diese gezielt in den Arbeitsmarkt integriert werden. Zudem unterstützt die Bundesregierung Unternehmen dabei, die Vorteile einer vielfältigen Arbeitnehmerschaft, die aus Menschen unterschiedlichen Geschlechts und Alters sowie verschiedener Herkunft besteht und auch Menschen mit Behinderung einschließt, zu nutzen und von diesen zu profitieren.

Wo bestehen die größten Fachkräftepotenziale im Inland?

Besonders die Potenziale bei Frauen, Älteren, Menschen mit Migrationshintergrund und Jugendlichen ohne Ausbildung sowie Menschen mit Behinderung können stärker genutzt werden. Vielfalt ist ein wichtiger Beitrag zum Unternehmenserfolg. Daneben steht besonders bei Engpassberufen die Ansprache internationaler Fachkräfte im Fokus.

Frauen

Eine stärkererePatrtizipation von Frauen am Arbeitsmarkt kann einen positiven Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten Hier konnte in den letzten 10 Jahren bereits eine starke Ausweitung der Erwerbstätigkeit erreicht werden. Dies verdeutlichen die Steigerungen bei weiblichen Arbeitskräften im Zeitraum 2010 bis 2020 insbesondere auch im Vergleich zur Gesamtentwicklung:

  • Erwerbstätige1 : + 2,9 Mio. (+ 8 %)
  • Erwerbstätigenquote1: Anstieg von 74,0 % auf 78,3 %
  • Arbeitsvolumen2 : + 725 Mio. Stunden (+ 1 %)
  • Frauen in Erwerbstätigkeit1: + 1,6 Mio. (+ 10 %)
  • Erwerbstätigenquote Frauen1: Anstieg von 68,8 % auf 74,5 %
  • Arbeitsvolumen Frauen3: + 1,9 Mrd. Stunden (+ 8 %)

Deutschland steht mit einer Erwerbsbeteiligung von Frauen zwischen 20 und 64 Jahren von rund 75 Prozent im Jahr 20200 gut da und hat mittlerweile eine der höchsten Erwerbstätigenquoten von Frauen in Europa. Allerdings arbeitet gut jede zweite weibliche Beschäftigte in Teilzeit, verglichen mit nur 11 Prozent der männlichen Beschäftigten3. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von Frauen ist um 9 Stunden geringer als bei Männern4. Folglich ist auch das durchschnittliche jährliche Arbeitsvolumen von Frauen um etwa 30 Prozent geringer als das von Männern5. In der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigung sind Frauen mit rund 60 Prozent in der Mehrheit, mit besonders hohen Anteilen unter Migrantinnen6. Ein wesentlicher Grund für den hohen Teilzeitanteil

und die geringere Wochenarbeitszeit bei Frauen sind die Betreuung von Kindern bzw. familiäre Verpflichtungen. Dabei würden viele in Teilzeit arbeitende Frauen ihre Arbeitszeit ausweiten wollen, vor allem in Ostdeutschland. Die Bundesregierung wird ihre Anstrengungen für eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und insbesondere für eine vollzeitnähere Beschäftigung von Frauen intensivieren.

Viele Frauen im erwerbsfähigen Alter, die derzeit nicht arbeiten und nicht aktiv auf Jobsuche sind, verfügen in der über eine gute Ausbildung. Bei geeigneten Rahmenbedingungen kann diese Zielgruppe häufig zeitnah für eine Erwerbstätigkeit gewonnen werden. Es liegt also im Interesse der Wirtschaft, das Leistungs- und Qualifikationspotenzial der Frauen noch besser zu nutzen. Wichtig sind dafür bessere Möglichkeiten hinsichtlich Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

1 Altersspanne Erwerbstätige: 20-64 Jahre, Altersspanne Ältere in Erwerbstätigkeit: 55-64 Jahre, Quelle jeweils: Arbeitskräfteerhebung, Eurostat.
2 Quelle: Arbeitszeitrechnung, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Beim „Arbeitsvolumen Frauen“ bezieht sich die Entwicklung auf die Jahre 2010-2019.
3 Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2021, Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt, Bundesagentur für Arbeit.
4 Blömer et al. (2021). Zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Unter- und Überbeschäftigung auf dem deutschen Arbeitsmarkt, Bertelsmann-Stiftung.
5 Arbeitszeitrechnung, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Durchschnittliche Jahresarbeitszeiten 2019 (in Mio. Stunden): Männer 37.396, Frauen 25.200.
6 Doppelt so viele Mütter mit Migrationshintergrund wie ohne sind geringfügig beschäftigt, s. Gelebte Vielfalt: Familien mit Migrationshintergrund, BMFSFJ, November 2020. (S. 41).

Ältere Menschen

Jung und Alt - für Deutschlands Zukunft werden alle Generationen benötigt. Gerade ältere Beschäftigte verfügen über umfassendes Fachwissen und langjährige Berufserfahrung. Das Fachkräftepotenzial von Personen zwischen 55 und 64 Jahren liegt bis zum Jahr 2025 zwischen 600.000 und 1,1 Millionen. Dies geht aus einer Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim hervor, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Auftrag gegeben hat. Tatsächlich ist die Erwerbsbeteiligung von Älteren laut der Statistik der Bundesagentur für Arbeit in den letzten Jahren angestiegen. Besonders stark gestiegen ist die Erwerbsbeteiligung älterer Frauen. Männer sind dagegen häufiger auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterhin beschäftigt, wenn auch häufig nur geringfügig.

Jeder Betrieb hat es in der Hand, durch gezielte Maßnahmen vom Potenzial Älterer zu profitieren: Eine altersgerechte Gestaltung der Arbeit, eine Verbesserung der Balance zwischen Beruf und Privatleben, eine stärkere Weiterbildungsbeteiligung Älterer, aber auch eine gezielte Rekrutierung von Älteren oder ein aktives Gesundheitsmanagement - all dies sind Investitionen, die sich gleichermaßen für Unternehmen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für Deutschland als Ganzes auszahlen.

An- und Ungelernte

Viele arbeitslose Personen ohne berufsqualifizierenden Abschluss suchen nach einer Tätigkeit als Helfer oder Helferin in einem von Engpässen betroffenen Berufsbereich. Wie die KOFA-Studie 2023 zeigt, könnte die Fachkräftelücke rein rechnerisch um etwa 83.000 reduziert werden, wenn arbeitslose An- und Ungelernte entsprechend qualifiziert würden.Dies entspricht 23 Prozent aller offenen Stellen, für die in der Regel eine Berufsausbildung erforderlich ist und derzeit keine passend ausgebildeten Arbeitslosen zur Verfügung stehen.

Menschen mit Migrationshintergrund

Ein großes Potenzial liegt auch bei Menschen mit Migrationshintergrund. Viele tausende zusätzliche Erwerbstätige könnten gewonnen werden, wenn Menschen mit Migrationshintergrund noch stärker bei der Integration und Ausbildung unterstützt werden. Dabei geht es zum einem um die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt.

Um Zugewanderte besser in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren, unterstützen seit Frühjahr 2016 rund 170 sogenannte Willkommenslotsen Unternehmen bei der Besetzung von offenen Ausbildungs- und Arbeitsstellen mit Geflüchteten. Sie vermitteln bundesweit Geflüchtete in Praktika, Hospitationen, Einstiegsqualifizierungen, Ausbildungen und Beschäftigungsverhältnisse in kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und seit Ende 2017 auch in große Unternehmen. Die Willkommenslotsen helfen bei Fragen zu Sprachförderung, Aufenthaltsstatus, Qualifikationsbedarf sowie zu Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten. Und das mit Erfolg: 2018 konnten mit Hilfe der Lotsen rund 9.700 Geflüchtete in Hospitation, in ein Praktikum, eine Einstiegsqualifizierung, einen Ausbildungsplatz oder ein Arbeitsverhältnis vermittelt werden, davon 2.585 in eine duale Ausbildung.

Inklusion: Menschen mit Behinderung einstellen

Rund 164.000 Menschen mit Schwerbehinderung würden laut der Bundesagentur für Arbeit gerne arbeiten. Viele Menschen mit Behinderung sind überdurchschnittlich gut qualifiziert und ihre Behinderung bedeutet kaum Einschränkung für ihre Arbeitsleistung.

Mehr zum Thema Inklusion in Unternehmen erfahren Sie auf der Website des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung.

Fachkräftestrategie

Was tut die Bundesregierung gegen den Fachkräftemangel?

Die Zukunft des Standorts Deutschland hängt in entscheidendem Maße davon ab, wie gut es gelingen wird, die Fachkräftebasis zu sichern und zu erweitern.

Da die Fachkräftesicherung ein fortlaufender Prozess ist, stehen die jeweils zuständigen Ressorts der Bundesregierung kontinuierlich im Dialog mit den relevanten Akteuren der Partnerschaft für Fachkräfte.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz fördert das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, das kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützt, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu qualifizieren.


Fokus Inland: Veränderungen präventiv begegnen

Die Herausforderung: Die zügig voranschreitende Digitalisierung trägt dazu bei, dass sich bis 2030 in mehr als 35 Prozent aller Berufe das Tätigkeitsprofil grundlegend wandeln wird. Ein Schwerpunkt der Strategie sieht daher vor, die Beschäftigungsfähigkeit der jetzt tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Qualifizierung und Weiterbildung zu gewährleisten. Ineinandergreifende Maßnahmen im Bereich der Ausbildung, Qualität der Arbeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf ergänzen diese Bemühungen.

Duale Ausbildung attraktiver gestalten

Die duale Ausbildung ist einer der zentralen Erfolgs- und Standortfaktoren für die deutsche Wirtschaft. Jungen Menschen bietet sie eine praxisnahe und hochwertige berufliche Qualifikation mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten und persönlichen Karrierechancen bis hin zur Selbständigkeit.

Damit die duale Ausbildung auch in Zukunft ein Erfolgsmodell bleibt und der Fachkräftenachwuchs die Qualifikationen erwirbt, die auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft gefragt sind, müssen die Attraktivität, Qualität und Leistungsfähigkeit der dualen Ausbildung gestärkt sowie die Befähigung junger Schulabgängerinnen und Schulabgänger zur Aufnahme einer qualifizierten Berufsausbildung ausgebaut werden.

Daher muss die duale Ausbildung in Deutschland gestärkt werden. Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Deshalb haben sich Bund, Bundesagentur für Arbeit, die Wirtschaft, Gewerkschaften und Länder Ende 2014 in der Allianz für Aus- und Weiterbildung zusammen geschlossen und diese im August 2019 erneuert. Gemeinsam wollen die Allianz-Partner noch mehr junge Menschen für einen der über 300 Ausbildungsberufe befähigen und gewinnen.

Auszubildende bei der Arbeit zum Thema Ausbildung und Beruf

© Robert Kneschke – stock.adobe.com

Erfolgsmodell Duale Ausbildung

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Weltoffene Kultur und Einwanderung

Fachkräfte aus dem Ausland - Chancen bieten und nutzen

Neben der Hebung der inländischen Potenzialen ist die Stärkung der Fachkräfteeinwanderung ein zentrales Handlungsfeld der Fachkräftesicherung. Die Bundesregierung hat deshalb umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um diese substantiell zu fördern.

Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Das Gesetz und die Verordnung zur Weiterentwicklung der Fachkräfteeinwanderung ist ab dem 18. November 2023 schrittweise in Kraft getreten. Das Paket sieht eine deutliche Öffnung des Rechtsrahmens für Fachkräfte aus Ländern außerhalb der Europäischen Union vor. Unter anderem ist es nun für mehr Fachkräfte möglich, ohne formale Anerkennung der ausländischen Qualifikation einzuwandern, die Gehaltschwellen für die Erteilung der attraktiven Blauen Karte EU wurde abgesenkt und eine neue, punktebasierte Chancenkarte zur Jobsuche wurde eingeführt.Zudem wurde der Familiennachzug von Partnern, Kindern und Eltern erleichtert sowie der Spurwechsel für Asylbewerberin einen Aufenthaltstitel zu Erwerbszwecken erleichtert.

Neben den rechtlichen Änderungen hat die Bundesregierung mit ihren Eckpunkten der zur Fachkräfteeinwanderung aus Drittstaaten umfassende Begleitmaßnahmen beschlossen, um die weiteren Rahmenbedingungen bei der Fachkräfteeinwanderung zu verbessern.

Make it in Germany

Mit "Make it in Germany" verfügt die Bundesregierung über ein zentrales, mehrsprachiges Informationsportal für Fachkräfte aus dem Ausland und Arbeitgeber in Deutschland. Auf dem Portal können sich die Fachkräfte und Arbeitsgeber zu verschiedenen Themen rund um die Einwanderung (z.B. Visa) sowie über das Leben in Deutschland informieren. Weiterhin verfügt das Portal über eine integrierte und von der Bundesagentur für Arbeit gespeiste Jobbörse und eine von der Bundesagentur für Arbeit und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge betriebene Hotline (Telefon, E-Mail, Chat). Auch wird auf dem Portal eine Willkommensmappe angeboten. Mit dieser können Arbeitgeber die Integration ausländischer Fachkräfte durch ein individualisierbares Informationspaket zu den ersten Schritten nach der Einreise und zum Leben in Deutschland unterstützen.

"Make it in Germany" in bewegten Bildern

 

Anerkennung ausländischer Qualifikationen

Mit dem „Gesetz zur verbesserten Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ wurde ein Rechtsanspruch auf ein Verfahren zur Überprüfung der Gleichwertigkeit von im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen mit einem deutschen Berufsabschluss eingeführt. Mit Inkrafttreten des FEG wird der Beratungsbedarf zum Thema Anerkennung voraussichtlich steigen. Um diesem Bedarf gerecht zu werden und die Effizienz der Anerkennungsverfahren zu erhöhen, führt die Bundesregierung eine Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung ein. Diese bietet als zentrale Anlaufstelle für Fachkräfte aus dem Ausland Anerkennungsberatung und Verfahrensbegleitung an.

Zudem können zuwanderungsinteressierte Akademikerinnen und Akademiker, die nicht aus der Europäischen Union stammen, sich für die Dauer von sechs Monaten in Deutschland zur Arbeitsplatzsuche aufhalten, wenn ihre Existenzgrundlage während dieser Zeit gesichert ist.

Praktisch: Das Berufqualifikations-Portal des Bundeswirtschaftsministeriums ist die umfangreichste Online-Wissens- und Arbeitsplattform zu ausländischen Berufsqualifikationen. Die Plattform bietet Beschreibungen von 97 Berufsbildungssystemen weltweit und über 4.200 ausländische Berufsprofile. Auf diese Weise können die zuständigen Stellen – die Berufskammern – mit dem Berufsqualifikations-Portal ausländische Berufsabschlüsse besser einschätzen sowie schnell, einheitlich und transparent bewerten.

Außerdem können sich auf dem Informationsportal zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen der Bundesregierung Anerkennungssuchende rund um das Thema Anerkennung von Abschlüssen informieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung berichtet zudem immer wieder auf seiner Facebookseite über das Thema.

Zugewanderte bestmöglich unterstützen

Das erfolgreiche Programm zur passgenauen Besetzung von freien Ausbildungsstellen hilft dabei, Ausbildungsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen "passgenau" mit in- und ausländischen Jugendlichen ohne Flüchtlingsstatus zu besetzen. Das Programm unterstützt Berater und Beraterinnen, die wiederum Betrieben bei der Etablierung und Weiterentwicklung einer weltoffenen Kultur und bei der Integration von ausländischen Auszubildenden und ausländischen Fachkräften, die nicht als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, helfen.

Fachkräftegewinnungs-Strategie

Strategie der Bundesregierung zur gezielten Gewinnung von Fachkräften aus Drittstaaten

Die Bundesregierung hat unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz eine Strategie zur gezielten Gewinnung von Fachkräften aus Drittstaaten erarbeitet. Sie definiert erstmalig einen kohärenten Ansatz zur Förderung der Fachkräftegewinnung und positioniert Deutschland damit als attraktives Einwanderungsland im internationalen Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Um die geplanten Maßnahmen zum Erfolg zu bringen, setzt die Bundesregierung auf eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Die Bundesregierung berücksichtigt bei ihren Aktivitäten die internationalen Prinzipien für eine ethisch verantwortbare Gewinnung von Fachkräften. Die Strategie besteht aus fünf Handlungsfeldern:

  1. Bedarfs- und Potenzialanalyse: Die Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung müssen zielgerichtet sein, das heißt am Bedarf der Wirtschaft orientiert. Deshalb wird zunächst ermittelt, in welchen Berufen besonderer Fachkräftebedarf besteht und welche Länder über ausreichend Fachkräftepotenzial verfügen.
  2. Informieren und beraten: Die Informations- und Beratungsangebote werden gestärkt. Hierbei soll das Dachportal der Bundesregierung „Make it in Germany“ für Fachkräfte und Unternehmen als zentrale Anlaufstelle etabliert werden.
  3. Befähigen und qualifizieren: Fachkräfte aus Drittstaaten müssen in die Lage versetzt werden, nach Deutschland einwandern zu können und somit bei Bedarf ergänzend qualifiziert werden. Deshalb entwickelt die Bundesregierung berufsbezogene Qualifizierungsmaßnahmen und die Sprachförderung im In- und Ausland weiter.
  4. Vermitteln und begleiten: Die Bundesregierung setzt gezielte Impulse zur Stärkung der Fachkräfterekrutierung aus Drittstaaten. Dabei geht sie neue und innovative Wege. Gemeinsam mit der Wirtschaft und mit Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit erprobt die Bundesregierung für ausgewählte Berufe und Partnerländer Rekrutierungsprozesse und entwickelt daraus Strukturen für nachhaltige Zuwanderungswege.
  5. Kommunizieren und werben unter der Dachmarke „Make it in Germany“: Die Bundesregierung wird stärker für Deutschland als attraktives Einwanderungsland für Fachkräfte werben. Deshalb wird sie ihre Kommunikation unter dem Namen „Make it in Germany“ verstärken und das Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes mit einer Kommunikationskampagne begleiten.

Im Ausland

Mit „Skills Experts“ Fachkräfte weltweit ausbilden

Unternehmen brauchen qualifizierte Fachkräfte, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das gilt auch für deutsche Firmen im Ausland. Das Programm „Skills Experts“ unterstützt daher vor allem kleine und mittlere deutsche Unternehmen bei der bedarfsgerechten betrieblichen Ausbildung von Jugendlichen vor Ort.

In vielen Ländern weltweit mangelt es in unterschiedlichen Branchen an gut ausgebildeten Fachkräften. Dadurch können sowohl lokal tätige Firmen als auch weltweit agierende deutsche Unternehmen die Potenziale, die ihnen die jeweiligen Märkte bieten, nicht vollständig nutzen. Hier setzt das Programm „Skills Experts“ an. Es unterstützt vor allem kleine und mittlere deutsche Unternehmen (KMU) im Ausland dabei, junge Menschen vor Ort bedarfsorientiert nach dem Vorbild der deutschen dualen Berufsausbildung auszubilden. Davon profitieren insbesondere deutsche KMU, aber auch die Partnerländer und junge Menschen in diesen Ländern.

Im Rahmen des Programms wird die Entsendung von Berufsbildungsexperten, sogenannten „Skills Experts“ an mittlerweile zehn Standorte der Auslandhandelskammern finanziert. Dazu zählen Bosnien-Herzegowina, Chile, Ghana, Indonesien, Kenia, Kroatien, Nigeria, Nordmazedonien, Südafrika und Vietnam. Die „Skills Experts“ arbeiten eng mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag als Programmpartner zusammen, um weltweit vergleichbare und qualitätsgesicherte Standards der betrieblichen Ausbildung und deren Zertifizierung nach deutschem Vorbild zu gewährleisten.

Themenportale für Fachkräfte

Pressemitteilungen

  • 29.11.2022 - Pressemitteilung - Ausbildung & Beruf

    Berufliche Orientierung: Staatssekretär Kellner würdigt Unternehmen, Schulen und Verlage beim SCHULEWIRTSCHAFT-Preis

    Öffnet Einzelsicht
  • 30.11.2022 - Gemeinsame Pressemitteilung - Fachkräftesicherung

    Deutschland wird das Einwanderungsrecht grundlegend modernisieren

    Öffnet Einzelsicht
  • 17.11.2022 - Gemeinsame Pressemitteilung - Ausbildung & Beruf

    Abschluss eines erfolgreichen „Sommers der Berufsausbildung 2022“ der Allianz für Aus- und Weiterbildung – Anwerben von Auszubildenden weiterhin wichtige Aufgabe

    Öffnet Einzelsicht
  • 27.09.2022 - Pressemitteilung - Ausbildungsberufe

    Fachkräftesicherung einmal anders? Beraterinnen und Berater der Förderprogramme Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsinnen und Lotsen unterstützen Unternehmen bei der Besetzung freier Ausbildungsstellen sowie der Integration von Geflüchteten in den Betrieb

    Öffnet Einzelsicht
  • 07.09.2022 - Gemeinsame Pressemitteilung - Ausbildungsberufe

    Fachkräftegipfel der Bundesregierung: Mehr Fachkräfte für Deutschlands Zukunft

    Öffnet Einzelsicht
  • 04.05.2022 - Gemeinsame Pressemitteilung - Ausbildungsberufe

    Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung starten den „Sommer der Berufsausbildung“

    Öffnet Einzelsicht
  • 15.03.2022 - Gemeinsame Pressemitteilung - Fachkräftesicherung

    Mit attraktiven Ausbildungsberufen dem Fachkräftemangel in Hotellerie und Gastronomie entgegenwirken

    Öffnet Einzelsicht

Weiterführende Informationen

  • Verordnungstexte zur Gleichstellung ausländischer Prüfungszeugnisse

    Öffnet Einzelsicht
  • Artikel - Flucht und Integration

    Artikel: Geflüchtete Menschen erfolgreich integrieren: Maßnahmen und Initiativen

    Öffnet Einzelsicht

Schlaglichter der Wirtschaftspolitik

Arbeiter bedient eine Maschine, symbolisiert das Thema Fachkräfte